Reisebericht Kiteboarding und Windsurfing in Brasilien, Sao Miguel de Gostoso Rio Grande de Norte.

Brasilien gehört zu den attraktivsten Traumzielen, wenn es um Kitesurfen und Windsurfen im Urlaub geht. Malerische Strände unter Palmen, badewannenwarmes Wasser, konstante Winde und karibisch anmutendes Flair sorgen für die perfekten Kiteboarding und Windsurf-Bedingungen im deutschen Winter. Stephan vom Surfshop und Kiteshop Boardcenter Schwerin war im Januar 2011 in Brasilien unterwegs und hat die Wellen vor Ort geschlitzt. Herausgekommen ist ein spannender Reisebericht über eine Kite- und Windsurfreise, die keine Wünsche offen lässt. Lest bei uns die interessante Story von Stephan mit wertvollen Reisetipps und… Start dreaming…

Brasilien, ein Land über welches es viele Reisebericht gibt und das bei so manchem Fernweh nach Sonne, Wind und Meer auslöst. Wir haben unseren Trip nach Sao Miguel de Gostoso Region Rio Grande de Norte am 05.01.2011 zum wiederholten Male gestartet. Wir, das heißt eine Gruppe von 8 wind- und kitesurfbegeisterten Freunden. Ansage vor der Reise war: nur Männer, Surfen, Relaxen und n bissel feiern!

Wir trafen uns in Lissabon am Flughafen, der Großteil unserer „Reisegruppe-Ost“ startete in Hamburg, ich kam von Malaga und hatte das Glück dort zuvor noch ein paar Tage in den Wellen von Tarifa zu verbringen. In Lissabon kam die erste Reiseverzögerung auf uns zu, die TAP startete mit 3 Stunden Verspätung, „Hurra, nie wieder TAP“ – einen Ausspruch, welchen wir später noch einige male wiederholen durften. Aber weiter im Text. Wir vertrieben uns derweil die Zeit mit dem Genuss von Portwein, den wir im Duty Free Shop erstanden hatten und ließen keine schlechte Laune aufkommen. Im Gegenteil, somit hatten wir später die entsprechende Bettschwere, die uns während des Fluges sehr gut schlafen ließ. Wir landeten 4 Uhr morgens Ortszeit in Natal, nachdem wir den Zoll nach allen Brasilianer auch passieren durften ( Brasilianer werden überall zuerst abgefertigt und bedient).

Ismael, unser Shuttelservice vom Dr.Wind (Paolo), erwartete uns bereits. Wer Bargeld mit hatte, tauschte dieses an der Wechselstube in Brasilianische Realos ( Tipp: Zählt das Geld gleich nach, letztes Jahr wollten sich die Angestellten der Wechselstube etwas an uns bereichern), wer keins dabei hatte, bekam auch nix, auch nicht mit Karte, da alle Geldautomaten am Flughafen leer waren (was normal ist). Nach einer 2-stündigen Autofahrt in Richtung Norden, kamen wir gegen 7 Uhr endlich in Sao Miguel de Gostoso an. Es erwartete uns ein spartanisch eingerichtetes Strandhaus mit 4 Zimmern, einem Bad und großer Küche, aber direkt am Strand mit Meerblick und hinter der Surfstation. Da wir alle unseren Rausch im Flieger ausgeschlafen hatten, waren wir nun fit für ein Frühstück und bereiteten unser Surf- und Kitematerial für die erste Session vor, welche um 10 Uhr starten sollte. In Sao Miguel ist es üblich, dass der Wind gegen 10 Uhr zu blasen beginnt und am Nachmittag noch einmal zulegt. Dies bedeutet, morgens waren meist 12qm Kites und 6,5er Segel angesagt und nachmittags dann 9er Kites und 5,5er Segel. Von September bis Dezember kann alles nochmal eine Nummer kleiner gewählt werden. Von 16 Tagen hatten wir nur 3 Tage keinen Wind und im letzten Jahr war es zur selben Zeit ähnlich.

Wer nach Sao Miguel reist, kann sich also darauf verlassen, dass er genug Wind bekommt. Das Nachtleben lässt allerdings etwas zu wünschen übrig, nur ab und zu gibt es ein paar Partys, welche aber keineswegs mit Jerri, Combuku oder Fortaleza zu vergleichen sind. Es ist halt ein kleines Fischerdorf, an dessen Ortsausgang die asphaltierte Straße aufhört. Wir hatten trotzdem Spaß dank „Looping Loui“ im Gepäck und so waren wir des öfteren in super Partystimmung. Trotz der relativ hohen Armut, welche im Dorf zu sehen ist, werden in den meisten Restaurants fast europäische Preis aufgerufen (natürlich nur für Europäer, Einheimische bekommen andere Preise), was mir persönlich das Land etwas unsympatisch macht. Die Einwohner Gostosos sind sehr nett und freundlich, haben immer ein Lächeln auf den Lippen, es scheint, als ob sie trotz der Einfachheit glücklich in den Tag hinein leben. Wer nun glaubt, dass er in Sao Miguel Geld am Automaten bekommt, der wird auch hier eines Besseren belehrt. Es ist Glückssache, wenn mal einer mit Geld bestückt ist und die Kreditkarte wird fast nirgends akzeptiert, abgesehen von einigen Supermärkten.

Zurück zum Beach. Die Bucht ist recht groß und hat zwei Surfstationen, einmal die von Paolo Dr. Wind, an welcher wir wohnten, und seit Herbst 2010 die vom Windsurfweltmeister Kauli Seadi, ca.1,5 km in Lee gelegen. Kauli bietet Material von Neil Pryde und JP, Paolo von RRD und Neil Pryde. Aufgrund der etwas höheren Lage, befindet sich die Station vom Paolo am Wind-konstanteren Spot, an welchem sich auch ein großes Außenriff befindet, über welches bei gutem Swell sehr schön abzureitende Wellen herein laufen. 1 – 2,5 Meter habe ich selbst erlebt, angeblich manchmal auch größer. Ach ja, der Wind kommt übrigens von rechts und das jeden Tag! Bei Ebbe und Niedrigwasser entsteht direkt hinter dem Riff ein super Flachwasser Spot für die Freestyler, mit auflaufendem Wasser läuft dann ab und an auch eine schöne Welle in die Bucht rein, die bis auf den Strand abgeritten werden kann. An der Station vom Paolo kann man sich mit Snacks und coolen Drinks versorgen lassen, seit diesem Jahr ist auch ein Schlauchboot als Rettungsboot vorhanden und für alle anderen organisatorischen Problemchen kann man sich immer an Paolo wenden, er ist sehr hilfsbereit und tut sein möglichstes.

Es empfiehlt sich auf jeden Fall, einen Tag für einen Buggy-Ausflug zu nutzen, den Strand entlang zu heizen, von einem zum anderen Fischerdörfchen zu fahren und so ein wenig die faszinierende Ursprünglichkeit der Gegend zu erkunden. Ein Buggy kostet zwischen 100 und 130 Real am Tag, je nachdem, wo und bei wem man mietet. Wir hatten zumindest viel Spaß dabei, als wir zu Sechst im Buggy und einem Moped einen Ausflug ins Unbekannte, Richtung Norden starteten (Wichtig: immer ein paar Palmenblätter dabei haben, um den Buggy wieder aus dem weichen Sand raus zu bekommen).

Fazit: Brasilien ist auf jeden Fall eine Reise wert, besonders günstig ist Brasilien aber nicht. Preise für Restaurants, Benzin, Unterkünfte und Lebensmittel liegen auf europäischem Niveau. Wer mit weiblicher Begleitung nach Gostoso reisen möchte, sollte vorher sicher sein, dass auch diese nur Surfen und/oder Relaxen möchte. Es gibt keine Shopping-Möglichkeiten oder touristische Besichtigungsziele. Alles was Reisende erwartet ist: Meer, Strand, Lehmhütten, Palmen, Affen, Vogelspinnen, Schildkröten, Riesenkröten, Geckos und ……

Unser Rückflug ging dann übrigens auch statt um 2 Uhr erst um 5.30 Uhr. Somit verpassten wir unseren Anschluss in Lissabon, verbrachten eine Nacht dort, flogen dann morgens um 5.30 Uhr weiter nach München und von dort nach Hamburg. Unser Gepäck kam dann sogar noch einen Tag später nach. Also von uns wird sicher keiner mehr mit der TAP fliegen, da hatten wir am falschen Ende gespart. Eines möchte ich noch jedem mit auf den Weg geben, welcher diesen Bericht ließt und Spaß am Surfen haben möchte. Man kann ruhig mal ein paar Euro mehr in seine Ausrüstung investieren, Qualität und Top-Beratung haben nun mal ihren Preis. Wir haben meist sehr begrenzte Freizeit und die wenigen Tage, an welchen wirkliche prima Bedingungen auf dem Wasser sind, möchte man sich doch nicht mit seinem vielleicht nicht ganz so optimalen Material ärgern…

Sonnige Grüße

Stephan, Boardcenter in Schwerin

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