Kitesurfen und Windsurfen. 2 Species treffen aufeinander. Die Legende, dass Windsurfer die Kitesurfer nicht mögen und umgekehrt.

Es wird oft gesagt, dass Windsurfer die Kitesurfer nicht mögen und Kitesurfer auf Windsurfer nicht unbedingt gut zu sprechen sind. Als langjähriger Windsurfer und Kitesurfer in Personalunion, habe ich mir Gedanken über dieses Thema gemacht und versucht zu ergründen, ob es tatsächlich stimmt, dass es eine „Feindschaft“ gibt und wie man mit dem Thema umgehen könnte.

Kitesurfen und Windsurfen sind zwei Sportarten, die vieles verbindet, aber auch einiges unterscheidet. Windsurfen gibt es schon seit Jahrzehnten, Kitesurfen entwickelt sich als Sport für ein breiteres Publikum erst seit etwas über 10 Jahren. Eine über lange Jahre gewachsene Windsurf Szene die gewohnt war, die Spots für sich allein zu haben, musste sich in den letzten Jahren zunehmend mit „Wasser-Schirm-Sportlern“ die Spots teilen. Die Kitesurfer haben einen weitaus höheren Raumbedarf als Windsurfer, weil die Leinen, die Größe der Kites, ein Kite Absturz und der Kite Relaunch deutlich mehr Platz beanspruchen, als es beim Windsurfen nötig ist.

Da Kitesurfen ein recht junger Sport ist, waren in den letzten Jahren auch dementsprechend viele Anfänger und Aufsteiger auf dem Wasser unterwegs. Jedes Jahr starten viele Neulinge in das Kiteboarding, da es immer populärer wird, einfach zu lernen ist und die Systeme mittlerweile sehr bedienungsfreundlich sind. Besonders die Sicherheitssysteme der Kites sind bei modernen Modellen auf einem hohen Entwicklungsstand, Kiten ist heute für Jeden ein easy zu lernender Sport und bei vielen kennt die Begeisterung für das Kiten keine Grenzen. Als der Kite Sport sich verbreitete, war das Interesse der Zuschauer an Land gross, wenn ein Kiter über das Wasser donnerte, denn Kitesurfen war neu und spektakulär. Die Medien nahmen sich des Themas ebenfalls an und so erfuhr das Kitesurfen einen Hype, gleichzeitig fingen sehr viele Leute mit diesem Sport an und der Platz an den Spots wurde schnell knapp. Die Windsurfer, jahrelang gewohnt, die Surfspots für sich allein zu haben, wurden nun durch die neuen Kitesurf-Exoten in ihren Platzansprüchen an Land und auf dem Wasser eingeschränkt. Dies führte sicherlich zu einigem Unmut bei den Windsurfern. Dazu kam der neue „Gegenverkehr“ auf dem Wasser. Aus Sicht eines Windsurfers ist es schon, wenn man Kitesurfen noch nie gemacht hat, ein verunsicherndes Gefühl, wenn ein Kiter auf Gegenkurs ist und man ggf. auch noch unter den Leinen hindurch fahren muss. Man weiss nie, ob der Kite nicht auf einmal abstürzt und ein ungewolltes „Not-Wassern“ nach sich zieht Wie es mit spektakulären Sportarten so ist, wurde in Medien und im Internet per Video und Post jeder spektakuläre Kiteunfall rasant weiter verbreitet, der in den Anfängen des Kitens passierte. Stories, bei denen Kitesurfer Unfälle hatten, gingen die Runde und die Mundpropaganda dramatisierte vieles. Nicht wenige Laien stuften und stufen Kitesurfen als einen sehr gefährlichen Sport ein. Am Anfang stimmte dies teilweise auch, die Safety Systeme waren noch nicht so effizient, wie sie es heutzutage sind und manche Experimente, die von Übermut geprägt waren, hatten teilweise fatale Folgen. Dennoch ist es so, wie bei vielen spektakulären Dingen unserer Zeit, die das Medieninteresse wecken: negative Einzelfälle, besonders diejenigen, die einer Presse-Headline würdig sind, verbreiten sich schneller in den Köpfen der Leute als die Schweinegrippe.

Aber das einem Unfall mit tragischen Folgen, vielleicht 1000sende Kitesessions entgegen stehen, bei denen überhaupt nichts dramatisches passierte, wird natürlich nicht gesagt oder geschrieben, weil es den Sensationsgehalt der Pressemitteilung reguliert. Somit hatte Kitesurfen in der öffentlichen und oberflächlichen Wahrnehmung einen unberechenbaren, waghalsigen und gefährlichen Beigeschmack und besonders Leute, die diesen Sport nie ausprobiert haben und sich auch nicht theoretisch damit auseinandersetzten, bildeten sehr schnell Vorurteile, die nicht selten lauthals verbreitet wurden.

Mittlerweile hat mit der zunehmenden Verbreitung des Kitesurfen und der Etablierung als Sport für eine Vielzahl auch ehemaliger und gleichzeitiger Windsurfer mehr Objektivität Einzug gehalten, gleichzeitig sind die Safety Systeme beim Kitesurfen sehr viel effizienter geworden, so dass Unfälle nur noch sehr selten geschehen. An vielen Kitesurf und Windsurf Spots wurden Zonen eingerichtet, an denen Kitesurfen und Windsurfen getrennt wird, so dass man sich weniger in die Quere kommt. Die Windsurfer akzeptieren Kitesurfer mehr und mehr als quasi „Kollegen“ auf dem Wasser, dennoch gibt es hier und da immer noch den einen oder anderen bösen Blick, wenn die Vorfahr t genommen wird oder ein Kite in den Kurs eines Windsurfers abstürzt. Ich selbst muss zugeben, dass es für mich als Windsurfer damals, als ich noch nicht Erfahrung im Kitesurfen hatte, manchmal befremdlich war, wenn ein Kiter auf mich zukam, erst als ich selbst mit dem Kitesurfen anfing, habe ich gelernt, dass es weit weniger gefährlich ist, als es aussieht und man einen Kite wirklich sehr gut unter Kontrolle halten kann, auch bei den heftigsten Stürzen und üppigem Wind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass beide Sportarten auszuüben, sehr viel Spass macht und die Zeit auf dem Wasser um ein Vielfaches steigt. Kitesurfen und Windsurfen unterscheiden sich im „Feeling“ extrem, Windsurfen als sehr viel kraftintensiver und bei massiven Wavebedingungen sehr radikal (je nachdem, wie man fährt) und Kitesurfen als Möglichkeit, schon bei wenig Wind riesen Spass zu haben, ist eine perfekte Kombination. Wenn ich als Windsurfer noch wartend am Strand stand und hoffte, der Wind würde zunehmen, gehe ich heute mit dem Kite raus und habe richtig Action. Mit rauhen Bedinungen „zu spielen“, bei fetten Wellen und ruppigem Wind ist sowohl mit einem Kite, als auch mit Windsurfmaterial völlig unterschiedlich und es ist eine absolute Bereicherung, beides machen zu können. Als Windsurfer mit über 15 Jahren Erfahrung und nun mehrjähriger Kitesurfer mit vielen Top Days an einigen interessanten Spots der Welt, bin ich völlig neutral, was die Bewertung beider Sportarten betrifft, weil ich beides kenne und schätze. Ich habe beobachtet, dass an den meisten Spots getrennte Zonen etabliert wurden und dies total reibungsfrei abläuft. Ich habe aber auch viele Spots erlebt, an denen Kitesurfen und Windsurfen zusammen stattfand und auch dort jeder entspannt seinem Sport nachging.

Letztlich vereint uns alle der Spass am Sport. Wir alle, egal ob Kitesurfer oder Windsurfer, lieben das Freiheitsgefühl und den Adrenalinschub, den uns unser Sport gibt und wir sollten zusammen unsere Energie dafür verwenden, dass unsere Sportarten gefördert werden, dass mehr Spots eröffnen, Vorurteile und primitive Argumente keine Chance haben und das Objektivität Meinungen bildet, nicht die Sensationspresse oder Vorurteile. Auch wenn jemand eine verfestigte Meinung hat, die Kitesurfer oder Windsurfer im Allgemeinen abwertet, versucht ein bestimmtes generelles Verhalten zu identifizieren oder meint, dieses schon „so oft“ beobachtet zu haben. Eine wirklich objektive Meinung bzw. Einschätzung kann nur gebildet werden, wenn man beide Sportarten ausprobiert, in beide Welten eintaucht. Dann wird sich das eine oder andere Vorurteil wie eine kleine Federwolke in der afrikanischen Mittagssonne auflösen und der Tag ist schön… Windsurfen und Kitesurfen sind die höchste Stufe der Evolution, sagt man. Hier angekommen, steht man über den Dingen und sollte sich einfach sagen: …Relax and enjoy!… Hang loose!

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