Im SurfMarken.de Interview – "Beringstrassen" Kiteboarder Geza Scholtz

Wir hatten schon über die Aktion – „Überquerung der Beringstrasse – von Geza Scholtz und Troy Henkels berichtet. Für alle, die unseren Artikel noch nicht gelesen haben, hier gehts zum Artikel mit allen Infos zum Vorhaben der beiden Kitesurfer.

“Expeditional Kiteboarding” ist die Bezeichnung für solche Arten des Extrem-Kiteboardings. Geza Scholtz, Abenteurer und Zahnarzt aus der Schweiz, hat uns in einem Interview Rede und Antwort zu seiner spektakulären Aktion gestanden.

Trotz dessen, dass die Aktion leider nicht vollständig umgesetzt werden konnte, haben Geza Scholtz und sein Team einzigartige Eindrücke und herausfordernde Erfahrungen sammeln können. Lest mehr über die interessanten Erlebnisse und Hürden des Experiments im Interview mit surfmaken.de:

Hallo Geza,

Vielen Dank dass Du Dir die Zeit nimmst, den Lesern von surfmarken.de einige Informationen zu Deiner spektakulären Aktion zu geben. Wir finden, es ist eine aussergewöhnliche Idee, in einem so radikalen Gewässer Kiteboarding zu betreiben und sind gespannt darauf, was Du erlebt hast. Hier unsere Fragen:

Surfmarken.de: Wie kommt man auf die Idee, von Alaska nach Sibirien zu kiten?

Mir ist das Abenteur sozusagen in die Kinderwiege gelegt worden. Mein Vater hat schon in den 60ziger Jahre Expeditionen in Afrika gemacht. Ausserdem hat er meinen Bruder und mich, seit dem wir auf der Welt sind, überall auf Reisen mitgenommen. Heute bin 28 und habe über 30 Länder besucht.

Andererseits war ich seit klein auf immer sehr von Extremsport fasziniert. Spielt keine Rolle ob Kitesurfen oder Surfen oder Downhillbiken oder Fallschirmspringen. Alles was Adrenalinschübe gibt, find ich cool. Die Idee, die Beringstrasse mit dem Kite zu überqueren, ist also eine Kombination dieser zwei Leidenschaften. Es ist aber auch ein Versuch, im Kiteboarden neue Wege zu gehen. Unser Sport ist noch jung und man kann ihn noch mitgestalten, sozusagen „Kiteboarden“ und „Expedition“ miteinander kombinieren.

Surfmarken.de: Wie ist Troy dazu gekommen, wie habt Ihr Euch kennengelernt?

So blöd das auch tönen mag, Troy habe ich im Internet kennengelernt. Als mir die Idee kam, habe ich einfach Beringstrait und Kiteboarding in Google eingegeben. Da Troy in 2005 versucht hat, die zugefrorene Beringstrasse im Winter zu Fuss zu überqueren und er auch gleichzeitig ein Kitesurfer ist, kam sein Name ziemlich weit oben in Google.

Surfmarken.de: Welche Wetterverhältnisse herrschen da oben?

Die Wetterverhältnisse sind wohl einer der extremsten, die es auf unserem Planeten gibt. Im Winter herrschen Temperaturen bis zu -40 Grad Celsius. Das Meer ist eigentlich immer mit Eis bedeckt, ausser im Juli und im August. Die Wassertemperaturen waren bei uns gegen 5 Grad Celsius. Auch die extremen Wetterumschläge und die unberechenbare Winde machen diesen Ort zum kitesurfen sehr schwierig. Das grösste Problem ist jedoch, dass Wind an einem Ort wie diesem, immer mit Gefahr und Risiko verbunden ist. Man muss bedenken, dass der nächste Coast Guard Helicopter über 1000km entfernt ist. Weiter gibt es 3 Strömungen, die in entgegengesetzte Richtungen fliessen und bis zu 15kmh schnell werden.

Surfmarken.de: Wie schafft man es, 6-8 Stunden bei eiskalten Temperaturen auf einem Kiteboard durchzuhalten? Wie habt Ihr Euch darauf vorbereitet?

Ehrlich gesagt kann ich diese Frage nicht wirklich beantworten, da wir nie mehr als 3 – 4 Stunden in diesen Konditionen auf dem Wasser waren. Aber solange man sich bewegt und nicht in direktem Kontakt mit dem Wasser steht, ist es relativ warm im Trockenanzug. Die Probleme beginnen dann, wenn man über einer längeren Zeit im Wasser liegt.

Das wichtigste ist mentale und physische Fitness und einfach soviel zu kiten, wie es nur geht. Leider konnte ich aber vor der Expedition nicht wirklich trainieren, da die Vorbereitung so viel Zeit in Anspruch genommen hat. Man muss bedenken, dass am Projekt über 40 Leute beteiligt waren, die in 3 Kontinenten leben und in 7 verschiedenen Zeitzonen arbeiten. Ich war mehr am Telefon und am Mac als sonstwo.

Surfmarken.de: Welche Herausforderungen waren die größten für Euch und was hat dazu geführt, dass Ihr die Überquerung nicht realisieren konntet?

Die Expedition beinhaltete 4 Schlüsselpunkte. 1. Hochkomplizierte Logistik. 2. Bewilligung von Russland 3. Das Wetter und das kiten selber. 4. Finanzierung

Man muss bedenken dass die Logistik und Bewilligung in Russland alleine 50 000$ gekostet haben. Der Umsatz des ganzen Projektes liegt bei knapp 1/4 Million US $. Das Hauptproblem war, dass wir von Russland nur eine Bewilligung erhalten haben, in Russland mit dem Boot einzureisen aber nicht mehr auszureisen. Das heisst, wir mussten ein „one way Boot“ kaufen. Beim Kauf musste also schon eine sehr kritische Entscheidung getroffen werden. Jeden Dollar, den wir ins Boot investierten, war eine Erhöhung der Sicherheit aber auch gleichzeitig verlorenes Geld.

Schlussendlich hätten wir bessere Konditionen gebraucht. Konditionen bei denen es genug Wind hat zum kiten, aber nicht zu viel Wind, damit das Boot noch fahren kann. Wir konnten also nur bei „Low End“ Situationen Versuche starten. Da ergibt sich aber das Problem, dass es nie Wind auf der ganzen Strecke hat. Ausserdem hat es Strömungen, die extrem schnell sind und so die Windgeschwindigkeit aufheben.

Surfmarken.de: Werdet ihr es noch einmal probieren?

Wir sind in Planung eines neuen Projektes. Wissen aber noch nicht, ob wir es realisieren können. Wie gesagt, es ist eine hoch komplizierte Angelegenheit, die eine Unmenge Geld verschlingt. Aber es wäre schade, wenn wir die Erfahrung die wir jetzt haben, nicht nutzten könnten. Falls jemand gerade so 100 000$ herumliegen hat, kann er sich gerne bei mir melden 🙂

Surfmarken.de: Was sind die größten Herausforderungen und die schönsten Erfahrungen im Leben eines Abenteurers?

Abenteuer bedeutet für mich, sich ausserhalb seiner Sicherheitszone zu befinden. Das Risiko einzugehen, ein wenig die Kontrolle zu verlieren. Es ist genau dieser Zustand der einen reizt. Die 8 Wochen waren zudem ein Wechselbad von Emotionen. Es gab Tage bei denen alles bestens lief und andere, bei denen man kein Licht am Ende des Tunnels sieht und man denkt, man muss aufgeben. Aber mann lernt zu improvisieren und sich jedes mal aufs neue zu motivieren und aufzuraffen. Es sind Emotionen und Gefühle, die man im alltäglichen Leben nicht findet.

Hier findet Ihr noch einige Bilder der extremen Kiteaktion von Geza Scholz:

Photos copyright by Bjorn Detre, 2010

Mehr Infos zu Geza Scholz und der Aktion findet Ihr auf beringstraitexpedition.com

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2 Kommentare

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