Im Interview – Magnus Hoffman und Martin Lüke. Customboards im Wood Design.

Magnus Hoffmann und Martin Lüke aus Eberswalde in Brandenburg sind leidenschaftliche Windsurfer und ausgebildete Diplom-Ingenieure der Holztechnik.

Das Besondere: Martin und Magnus sind nicht nur „Anwender“ im Windsurfing – sie bauen Windsurfboards in einer kleinen Werkstatt selbst. Spezialisiert haben sich die beiden Ingenieure auf Boards mit Echt-Holzfurnier Ummantelung, was den Surfboards ein besonders hochwertiges Design und Vorteile in Haltbarkeit und Handling gibt. Wir haben Magnus um ein Interview gebeten und ihn zum tollen Projekt befragt. Hallo Magnus, vielen Dank dass Du uns für ein Interview zur Verfügung stehst. Hier unsere Fragen zu Eurem sehr interessanten Projekt:

1. Wie kommt man dazu, selbst Windsurfboards zu bauen und wie hat alles begonnen?

Ich glaube, sich irgendwann in seinem Leben ein eigenes Board bauen zu wollen, steckt in jedem Windsurfer. Die einen machen es, für andere bleibt es (leider) ein Traum. Bei Martin und mir ist die ganze Geschichte aus der Not und durch die gewisse Kneipenstimmung entstanden. Unser Material war ziemliches veraltet und es musste unbedingt Neues für die kommende Saison ran. Allerdings waren uns finanzielle Grenzen gesetzt, so dass uns ein Ingenieur-technisches Projekt an der Hochschule gerade recht kam. Nach spätestens drei Bier in unserer Ideenschmiede „Zur Haltestelle“ war klar, dass wir unsere hauseigene CNC im Fachbereich Holztechnik zweckentfremden und für die wirklich wichtigen Dinge im Leben nutzen.

Noch zwei Bier später und mit steigender Euphorie, sahen wir uns durch den Studiengang verpflichtet, gleich auch noch zu beschließen, die Boards komplett mit Furnier einzuwickeln. Dabei waren wir recht ahnungslos, wie man überhaupt einfache Boards baut. Zwei Männer ein Wort! Ein halbes Jahr später waren die ersten beiden Prototypen in Eiche und amerikanischen Nussbaum fertig. Viel zu schwer, aber cool (-: Folglich kam es zu einer gemeinsamen Diplomarbeit mit dem Thema: „Konstruktion und Bau, sowie statische und dynamische Test von Windsurfboards in unterschiedlichen Holz-Sandwich-Bauweisen“, mit sehr interessanten Ergebnissen und sechs neuen Prototypen. Neben unseren Professoren an der Hochschule, wurden wir vom Geschäftsführer einer akkreditierten GS-Prüfstelle für muskelbetriebene Sportgeräte und vom Chef-Konstrukteur einer der großen Windsurf-Brands betreut. Das war schon eine ziemlich gute Konstellation.

2. Was ist das Besondere an Euren Surfboards?

Wir erreichen durch das Holz eine 40 % höhere Steifigkeit als bei einem PVC-Sandwich und das bei identischem Gewicht zur Serie (6,9 Kg bei 110 Liter). Dadurch das wir das Furnier in einem Arbeitsgang auf das Deck bis zur Tucked-under Edge pressen können, erhalten wir einen absolut kraftschlüssigen Verbund. Interessant war ein dynamischer Test. Dabei haben wir die Landung nach einem Sprung simuliert. 10.000 Landungen wurde als Lebenszyklus festgelegt. Bruch des Serienboards nach 3.500 Wiederholungen, bei unserem Board: kein Kratzer (-: Eine weitere Besonderheit ist, dass wir in der Lage sind, so ziemliches jedes Laubholz zu verarbeiten. D.h. in der Praxis, Du als Kunde verrätst mir Deine Lieblingsbaumart und Du bekommst es auf Dein Board.

3. Habt Ihr schon einen Markennamen für Eure schicken Designerboards?

In diesem Punkt sind wir uns noch nicht ganz einig. Aber sobald eine Entscheidung gefallen ist, lassen wir es Dich bzw. Euch wissen ((-:

4. Ihr seid Ingenieure der Holztechnik, in wieweit hilft/half Euch Euer Studium beim Boardbau?

Sehr! Um ein Furnier um die extreme Freiform eines Boards biegen zu können, war es nicht nur wichtig die genauen Eigenschaften verschiedener Holzarten zu kennen, sondern auch das richtige Pressverfahren anzuwenden. Hierfür standen uns unsere Professoren immer mit einem guten Rat zur Seite. Auch die Möglichkeit zu haben, die Boards am Rechner zu zeichnen und mittels einer 5-Achs CNC den Blank zu fräsen, war natürlich genial.

5. Worauf kommt es bei der Herstellung eines Boards besonders an und was sind die größten technischen Herausforderungen bei der Fertigung von Windsurfboards?

Das Board soll so leicht als möglich sein, gepaart mit einer optimalen Festigkeit. Das Shape lasse ich jetzt mal außen vor, da hier jeder mehr oder weniger seine eigene Philosophie hat. Die größte Herausforderung bei unseren Boards ist ganz klar der Akt, in dem das Furnier aufgepresst wird. Läuft hierbei etwas schief, gibt es kein zurück mehr, keine Chance Unebenheiten zu verspachteln oder zu sagen: “Das ist der neue Unfinished-Look.“ ((-; D.h. im Vorfeld muss zu 110 % genau gearbeitet werden, um eine einwandfreie Holzoberfläche zu bekommen.

6. Welche Schritte sind notwendig, um solch ein Board zu bauen und wie lange dauert es vom ersten Arbeitsschritt bis zum fertigen Windsurfboard?

Wir starten mit technischen Zeichnungen am PC. Konstruieren dort die Boards, bis wir der Meinung sind, das perfekte Shape gefunden zu haben. Dann geht es ab zur CNC, um den Blank aus dem Styroporblock zu fräsen. Laminieren, Finnen- und Mastkasten rein, Holz drum, lackieren, fertig! Stark verkürzt formuliert – alles andere würde den Rahmen sprengen (-: Das ganze dauert ca. 4 Tage pro Board/pro Person bei dem jetzigen Stand der technischen Möglichkeiten.

7. Welche Arten von Boards baut Ihr derzeit, oder wollt Ihr in Zukunft bauen, und für welche Einsatzbereiche sind sie vorgesehen?

Bei den bisherigen Boards haben wir uns auf Freeride und Freestyle konzentriert. Prinzipiell wollen wir aber zukünftig die ganze Windsurfboard-Palette anbieten. Zusätzlich werden wir unseren Focus auch auf SUPs richten.

8. Wie testet Ihr Eure neuentwickelten Boards?

Wie ich oben schon erwähnte, testen wir in einer GS-Prüfstelle an den entsprechenden Prüfständen. Hierbei sind vor allem die Steifigkeitswerte und die dynamische Biegebeanspruchung von Interesse, denn nur so können wir die verwendeten Materialien ins Verhältnis setzten und die Bauweise optimieren. Zusätzlich haben wir eins unserer Boards und eins der Serie in einen Computertomographen geschoben, um die Qualität der Verarbeitung zu kontrollieren. „Try and Error“, wie es momentan die meisten Brands handhaben, kann in unseren Augen nicht die Lösung sein. Außerdem sind wir der Meinung, dass dem Kunden ehrliche Fakten über sein Board vorliegen sollen und nicht Annahmen.

9. Wo und wann wird man Eure Boards kaufen können bzw. kann man sie (jetzt) kaufen?

Noch haben wir nichts zu verkaufen…leider . Vorbestellungen nehmen wir selbstverständlich schon entgegen (-: Wir stecken gerade in der Vorgründerphase und hoffen Anfang nächstes Jahres richtig loslegen zu können.

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Wir sind beeindruckt von Euren schicken Customboards und wünschen Euch viel Erfolg und vor Allem Spaß an Eurem Projekt.

Vielen Dank für das informative Interview. Das SurfMarken.de-Team.

Hier kommt Ihr zur Website der innovativen Boardshaper Martin und Magnus: CustomBoards

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